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Diversity für Mitarbeiter:innen

Psychische Belastung bei Frauen „normal“

Eine psychische Belastung ist offenbar kein Ausnahmezustand mehr, sondern Alltagsbegleiter für viele Frauen. Fast jede zweite Österreicherin fühlt sich stark psychisch belastet. Das zeigt eine aktuelle Umfrage.
Text: Helene Fiegl
frau im büro, psychisch belastet
© pexels-Kampus Production
Frauen sollen alles unter einen Hut bekommen - vom Job bis zur Care-Arbeit. Diese andauernden Belastungen äußern sich psychisch und physisch.

Drei von vier Frauen nennen psychische Belastung als Thema in ihrem Leben (74 %), fast jede zweite fühlt sich stark betroffen. Doch was ist der Grund dafür? Schlafmangel und Erschöpfung werden in einer Studie am öftesten genannt (45 %), gefolgt von fehlender Zeit für sich. Von innerer Unruhe, Nervosität und Anspannung fühlen sich mehr als die Hälfte geplagt. Berufliche oder akademische Anforderungen spielen hingegen kaum eine Rolle (19 %).

Psychische Belastung bei 25- bis 54-Jährigen am höchsten

Der Leidensdruck ist, laut Umfrage von Pure Encapsulations® und TQS Research & Consulting, zwischen 25 und 54 Jahren am prägnantesten. Die Erhebung zeigt, dass hier mehrere Verantwortlichkeiten parallel gestemmt und selten aufgeteilt werden. Die Belastungen zeigen sich bei den betroffenen Frauen sowohl in physischer als auch in psychischer Form.

Mehr als die Hälfte erlebt innere Unruhe, Nervosität und Anspannung (51 %), knapp die Hälfte Gereiztheit und Stimmungsschwankungen (43 %). Rund ein Drittel nennt körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Verdauungsprobleme. Nicht einmal zehn Prozent beschreiben sich als gänzlich unbelastet. Zusätzlich nennen viele digitale Reizüberflutung als Faktor (36 %).

Mehrfachbelastung und fehlende Entlastung

In der Gruppe der 25- bis 34-Jährigen fühlen sich 62 % stark von psychischer Last betroffen. Bei den 35- bis 44-Jährigen sind es 59 %, und in der Gruppe der 45- bis 54-Jährigen liegt der Wert noch höher bei 64 %. Ab 55 nimmt die Belastung deutlich ab. Befragte ab 65 geben oft an keine Belastung zu verspüren (rund 45 %). Die höchste psychische Belastung zeigt sich in der Lebensmitte. In dieser Phase bündeln sich Vollzeitarbeit, Care-Aufgaben für Kinder und oft auch die Pflege Angehöriger. Hinzu kommen mentale Organisationsarbeit, ständige Erreichbarkeit und zu wenig verlässliche Erholungszeiten. Gesellschaftliche Strukturen verstärken die Last: fehlende und teure Betreuungsangebote, starre Arbeitszeiten, die ungleiche Verteilung unbezahlter Arbeit und Erwartungen an permanente Verfügbarkeit.

„Psychische Belastung ist kein individuelles Versagen. Sie entsteht, wenn Care- und Organisationsarbeit ungleich verteilt sind und Erwartungen an permanente Verfügbarkeit den Alltag bestimmen“, sagt Barbara Schrammel, Sozialpädagogin, Psychotherapeutin und Vorstandsfrau bei Frauen beraten Frauen. „Entlastung darf nicht an der Widerstandskraft einzelner Frauen hängen. Sie braucht faire Aufteilung von Verantwortung in Familien und Partnerschaften, verlässliche und leistbare Betreuung, Arbeitszeiten, die Erholung zulassen, sowie klare Grenzen im digitalen Alltag. Erst wenn diese Rahmenbedingungen stehen und unbezahlte Arbeit gesellschaftlich anerkannt wird, wird Gesundheit nicht länger vom Durchhalten abhängen.“

Strukturen zur Entlastung

Psychische Last zeigt sich nicht nur im Gefühl von Stress, sondern greift tief in Motivation und Leistungsfähigkeit ein. Ein gutes Drittel der Frauen fühlt sich häufig motivationslos (35 %) und ebenso viele berichten von Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren (33 %). In der jüngsten Altersgruppe sind diese Einschränkungen besonders ausgeprägt: Mehr als jede zweite nennt Motivationslosigkeit fast jede zweite Konzentrationsprobleme.

„Die Daten zeigen eindrücklich, dass psychische Belastung längst nicht mehr Ausnahme, sondern Alltag ist. Sie drückt sich in Erschöpfung, Antriebslosigkeit und körperlichen Symptomen aus und kostet Frauen Energie in allen Lebensbereichen. Entlastung darf daher nicht bei der Einzelnen ansetzen, sondern braucht Strukturen, die tragen, von geteilter Verantwortung über verlässliche Erholungszeiten bis zu guter Information, die Orientierung bietet,“ sagt betont Tina Werner, Wissenschaftliche Leiterin der Initiativen zur Frauengesundheit bei Pure Encapsulations®.

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