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Diversity Good-Practice

Johann-Strauss-Apotheke: Menschlichkeit!

In der Wiener Johann-Strauss-Apotheke sind alle Kund:innen willkommen. Manuel Wendl und sein Team sind auf sexuelle Gesundheit, Darm-, Haut- und Trans-Gesundheit spezialisiert – und wurden für die gelebte Diversität mehrfach ausgezeichnet.
Text: Michael Strausz
Johann-Strauss-Apotheke
© Manuel Wendl
Mag. Pharm. Manuel Wendl und sein Team setzen in der Johann-Strauss-Apotheke auf Diversity

Ein alter Herr, sichtlich etwas überfordert – ihm gegenüber eine Apotheken-Mitarbeiterin, die ihm geduldig in seiner Muttersprache alles Wichtige über das verschriebene Medikament erklärt … Daneben eine Mutter mit Kind und ein schwules Paar … Vielfalt und Diversität sind in der Johann-Strauss-Apotheke im 4. Wiener Bezirk täglich gelebte Realität und fixer Bestandteil der Unternehmenskultur, wie man bei einem Besuch vor Ort deutlich spüren kann. Auch den Fokus auf inklusive Sprache kann man erleben – diese ist respektvoll und im Leitbild integriert.

Kleiner Betrieb, großer Unterschied
Für die hohe Sorgfalt, Nachhaltigkeit und Glaubwürdigkeit gewannen die acht Mitarbeiter sowie Geschäftsführer Mag. Pharm. Manuel Wendl den Meritus Award 2025. „Die Johann-Strauss-Apotheke ist ein Musterbeispiel, wie kleine Betriebe einen großen Unterschied machen können“, begründet Jury-Mitglied Norbert Pauser, Organisationsberater mit Schwerpunkt Diversität und Inklusion, die Auszeichnung. Der Meritus-Preis wird alle zwei Jahre von Pride Biz Austria vergeben und ist die österreichische Auszeichnung für Diversität und Inklusion in Bezug auf sexuelle Orientierung und Geschlechtervielfalt. Ziel ist es, Best Practices sichtbar zu machen
und die Arbeitswelt zu mehr Respekt und Chancengleichheit sowie zum Abbau von Vorurteilen zu inspirieren. Im Herbst 2025 erhielt die Johann-Strauss-Apotheke außerdem eine weitere prominente Auszeichnung: Gold bei den „Vision. A Awards“ der Apotheken- und Gesundheitsbranche in der Kategorie „Beste:r Unternehmer:in in
Kisenzeiten“.

Mag. Pharm. Manuel Wendl, Geschäftsführer der Johann-Strauss-Apotheke, im Gespräch

Gratulation zur Meritus-Auszeichnung! Was bedeutet dieser Preis für dich?
Der Preis bedeutet für uns eine wahnsinnig große Wertschätzung unserer Arbeit, die gerade im Gesundheitswesen immer wichtiger wird. Ohne mein Team wäre diese Arbeit keinesfalls möglich. Wir kommunizieren den Preis natürlich im Unternehmen, weil es der Verdienst jeder/jedes einzelnen ist.

Welche Rolle spielt Social Media für dich und woher nimmst du die originellen Ideen?
Social Media ist für uns ein Fenster in die Apotheke. Der Weg in die Apotheke sollte genau so einfach und barrierearm sein wie die Social Media-Nutzung. Viele Ideen sind durch den Apothekenalltag inspiriert und nur ein wenig karikiert. Wir erleben sehr viele bewegende, lustige und interessante Begegnungen. Vertreten sind wir auf Facebook, Instagram, TikTok und bald auch Youtube, wobei bisher unser Instagram-Auftritt am erfolgreichsten ist.

Auf eurem Insta-Kanal zeigt ihr euch mit viel Charme und Witz – wieso diese sehr emotionale Positionierung?

Da wir sehr sensible und persönliche Schwerpunkte gewählt haben, gibt es neben den informativen Beiträgen auch bewusst lustige, um die Apotheke und auch die Menschen darin nahbarer zu machen. Wir genießen große Sympathie und Vertrauen, weil wir auf Menschlichkeit setzen.

Hat deine sexuelle Orientierung (Anm. Mag. Wendl ist homosexuell) irgendeinen Einfluss auf deine tägliche Arbeit? Wirst du von Kunden auf deine Orientierung angesprochen?
Dazu gibt´s eine lustige Anekdote: Als ich die Apotheke übernommen habe, haben sich gleichzeitig auch die Öffnungszeiten geändert. Bis es in unserem Bezirk die Runde gemacht hat, dass wir jetzt über Mittag offen haben, dauerte es ein Jahr. Aber dass ich
ein schwuler Apotheker bin, war innerhalb einer Woche bekannt. Nichtsdestotrotz sind die Leute wirklich sehr inklusiv und supportiv, obwohl wir uns nicht gerade für ein risikoarmes Konzept entschieden haben.

Kann man Diversität deiner Meinung nach in kleineren Unternehmen leichter leben als in großen?
Ganz im Gegenteil ist es in größeren Unternehmen leichter. Ich würde sagen, dass sich bei KMUs die Geschäftsführung aktiv für Diversität aussprechen und diese im Unternehmen leben muss. Das ist Motivation, Überzeugung, muss finanziert werden, während es bei Großunternehmen häufig mit Arbeitsgruppen beginnt und sich langsamer durch die Struktur arbeitet.

Apotheken werden als Geschäfte, in denen man notwendige Medikamente kauft, häufig als betriebswirtschaftliche Selbstläufer betrachtet …
Mit dieser Thematik könnte ich allein einen Abend füllen. Nein, so ist es (leider) nicht mehr. Zwar gibt es noch den Gebietsschutz, allerdings in abgeschwächter Form. Der Wettbewerb ist längst auch in der Apothekenbranche angekommen: steigende Fixkosten,
sinkende Spannen, Lieferengpässe und ein immer höherer Zeitaufwand. Andererseits bleibt viel Potenzial ungenutzt, wodurch man „sich noch mehr anstrengen muss“. Dadurch entstehen aber auch wieder neue Innovationen und Wege, welche die Branche entwickeln und vielleicht sogar revolutionieren.

Wodurch unterscheidet sich deine Apotheke vom Mitbewerb?
Neben unseren Schwerpunkten, die mit Sicherheit ein Alleinstellungsmerkmal
sind, punkten wir sicher mit unserer Wertschätzung und Offenheit. Es kommen sehr viele Menschen zu uns, die sich in anderen Apotheken oder Ordinationen nicht wahrgenommen fühlen.

Wie darf man euren Schwerpunkt „Transmedizinische Versorgung und Beratung“ verstehen?

Wir bieten Trans Personen eine ganzheitliche und respektvolle Gesundheitsbetreuung. Unser Ziel ist es, diese Kunden mit fundiertem Wissen und individueller Versorgung auf ihrem Weg zu begleiten. Die Hormonersatztherapie (HRT) ist eine Behandlung, die darauf abzielt, den Hormonspiegel im Körper an das Geschlecht anzupassen, mit dem sich die Person identifiziert. Diese Therapie umfasst in der Regel die Verabreichung von Östrogen und möglicherweise Antiandrogenen, um die Entwicklung männlicher, sekundärer Geschlechtsmerkmale zu fördern. Dabei geht es auch um psychologische Unterstützung, Beratung und Therapie, um die Psyche während der Transition zu unterstützen.

Was ist dein Lebensmotto? Was sind deine Hobbys?
Motto direkt zwar nicht, aber eine Grundhaltung: authentisch, ehrlich und respektvoll durch die Welt gehen. Meine Hobbys sind neben der Gartenarbeit Sport und sozialer Austausch.

 

Facts & Figures

Die Johann-Strauß-Apotheke in Zahlen

  • Kunden am Tag: 250
  • Mitarbeitende / Lehrlinge): 8, 2 davon Lehrlinge
  • Jahresumsatz: 4 Mio. Euro – Wendl: „Das klingt ganz nett, allerdings haben wir ein degressives Spannensystem – je teurer ein Medikament, umso weniger Deckungsbeitrag. Beispielsweise kostet eines der gängigsten HIV-Medikamente ca. € 1.000,- pro Packung, die Spanne sind allerdings nur € 25,-. Das macht das Erwirtschaften von Erträgen nicht unbedingt einfacher.“
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