Pensionslücke beträgt fast 40 Prozent

In absoluten Zahlen bedeutet dies, dass Frauen mit durchschnittlich 1.614 Euro brutto um 1.050 Euro weniger Pension im Monat erhalten als Männer (2.664 Euro brutto). Zwar ist die Lücke gegenüber dem Vorjahr (39,7 Prozent) leicht gesunken, für echte Gleichstellung im Alter reicht das aber bei Weitem nicht. „Hohe Teilzeitquoten, längere Erwerbsunterbrechungen durch Kinderbetreuung und Pflege sowie branchenspezifische Einkommensunterschiede wirken sich über das gesamte Erwerbsleben hinweg aus und schlagen sich am Ende direkt in der Pensionshöhe nieder. Die Folge ist ein deutlich höheres Armutsrisiko für Pensionistinnen in Österreich“, sagt Manuela Vollmann, Geschäftsführerin von ABZ*AUSTRIA.
Transparenz ist betriebliche Verantwortung
Das TRAPEZ-Transparente Pensionszukunft -Projekt wurde von der Sektion Frauen und Gleichstellung initiiert und durch das Programm der Europäischen Union für „Rechte, Gleichstellung und Unionsbürgerschaft“ kofinanziert.Ziel ist die geschlechtsspezifischen Unterschiede in den Alterspensionen analysieren, und Handlungsmöglichkeiten aufzeigen, diese zu verringern und die finanzielle Absicherung im Alter, besonders für Frauen, zu verbessern. Im Zuge des Projekts wurde u.a. gemeinsam mit Betrieben eine praxisnahe Toolbox entwickelt, mit der Unternehme:innen, Personalverantwortliche und Betriebsrät:innen ihre weiblichen Beschäftigten dabei unterstützen können, ihre Pensionsansprüche frühzeitig, etwa durch Sensibilisierung für die langfristigen finanziellen Folgen von Teilzeit und Karenz, zu sichern.
Für Vollmann ist damit klar, an welchen Hebeln jetzt angesetzt werden muss: „Was es braucht, ist das Bewusstsein, wann der Gender Pension Gap entsteht: Nämlich in der Zeit der Familiengründung. Transparenz herzustellen über die eigenen Pensionsansprüche, und zwar schon während des Erwerbslebens, nicht erst kurz vor der Pensionierung, hält sie für zentral. Gleichzeitig müssen Betriebe stärker in die Verantwortung genommen werden, wie es die TRAPEZ-Toolbox vormacht. Und langfristig führt kein Weg an einer gerechteren Aufteilung von Sorgearbeit und einem echten Ausbau der Kinderbetreuung vorbei, denn nur so schließt sich die Pensionslücke strukturell und nachhaltig“, erklärt Vollmann.
Mehr Fairness bei der Kindererziehung
Um die Einkommensverluste durch die ungleiche Verteilung von unbezahlter Arbeit teilweise aufzufangen, werden Kindererziehungszeiten für die ersten vier Lebensjahre des Kindes gutgeschrieben (Beitragsgrundlage 2026: 2.468,01 Euro). Dadurch erhöht sich die monatliche Pension um 150,62 Euro. Die Phase der intensiven Betreuung und Erziehung von Kindern dauert aber wesentlich länger als vier Jahre. Das Arbeitsrecht ermöglicht deshalb Elternteilzeit bis zum 8. Geburtstag des Kindes – das Pensionsrecht bildet das aber nicht ab. Auch in der Pensionsversicherung sollten aus Sicht der Arbeiterkammer (AK) die Kindererziehungszeiten künftig insgesamt acht Jahre angerechnet werden. Im fünften und sechsten Lebensjahr des Kindes sollen noch 66 Prozent der Beitragsgrundlage gutgeschrieben werden, im siebten und achten. Lebensjahr noch 33 Prozent. In der Praxis bedeutet dieses Stufenmodell eine spürbare finanzielle Aufwertung: Die monatliche Pension für diese Zeiten würde um knapp 75 Euro auf insgesamt 225,17 Euro steigen. Auf eine typische Pensionsbezugsdauer von 20 Jahren gerechnet, bringt diese längere Anrechnung einer Frau mit Kind rund 21.000 Euro mehr. So werden empfindliche Pensionsverluste spürbar abgefedert, die durch die Übernahme familiärer Sorgearbeit entstehen.
„Oberstes Ziel muss es sein, dass Frauen rechtzeitig selbst gegensteuern können. Dafür braucht es ein echtes ‚Halbe-Halbe‘ bei der Familienarbeit und Unternehmen, die Frauen einen raschen Wiedereinstieg ermöglichen. Gleichzeitig ist es höchste Zeit, der Altersdiskriminierung am Arbeitsmarkt den Riegel vorzuschieben und echte Lohntransparenz in den Betrieben durchzusetzen“, fordert AK-Präsidentin Renate Anderl. Die Wirtschaft müsse stärker in die Pflicht genommen werden, damit Frauen überhaupt die Chance haben, fair bezahlt bis zur Pension zu arbeiten.


