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Diversity Balance

TMW-Ausstellung zeigt „Tec/xtil – Faser, Funktion, Fashion“

Die neue Sonderausstellung des Technischen Museums (TMW), die bis 29.8. 2027 gezeigt wird, beleuchtet den Herstellungsprozess unserer Bekleidung von der Faser über deren Funktion bis zum Ende des textilen Lebens.
Text: Michael Strausz
© TMW
400 Exponate zeigen einen Querschnitt des gesamten textilen Lebens

Auf einer Fläche von fast 900 m² entspinnt sich bei  „Tec/xtil – Faser, Funktion, Fashion“ – Ausstellung des TMW textiles Hintergrundwissen aller Art und lässt das Besondere im Selbstverständlichen erkennen: Mehr als 400 Exponate, die durch eine museale Produktionsstraße führen, sind zu bewundern, und gehen den Textilien bis zur mikroskopischen Ebene auf den Grund. Sie lässt in kugelsichere Westen blicken, erklärt, warum blauer Farbstoff Wäsche weiß macht, und fragt nicht zuletzt nach Ressourcenverbrauch und Zukunft der Textilindustrie.

Ausstellung in drei Akten

Ein Portal mit unterschiedlichsten Theatervorhängen lässt die Besucher:innen gleich zu Beginn in eine textile Welt eintauchen: „Tec/xtil – Faser, Funktion, Fashion“ erinnert nicht zufällig an die Dramaturgie eines Theaterstückes. Durchschritten werden darin drei theatrale Aufzüge, die Schicht um Schicht verborgene Vorgänge von der Herstellung der Textilien über deren Funktion bis zum Ende des textilen Lebenszyklus offenbaren. Zwei dramaturgische Pausen unterteilen die Ausstellungskapitel und fordern dazu auf, sich Gedanken über das Be- und Entkleiden zu machen: Stoffinseln, die in sich abgeschlossen sind, beinhalten ein Interaktivum, das in verschiedene Kleidung schlüpfen lässt und eine Zusammenstellung unterschiedlichster Formen von Nacktheit. Damit werden nicht nur die Zusammenhänge von Wirtschaft und Technik, Arbeit und Gesellschaft dargestellt, sondern auch wie viele unterschiedliche kulturelle Bedeutungen das An- und Entkleiden hat.

Um zu verstehen, wie Kleidung funktioniert, lohnt sich ein Blick auf ihren Ursprung:  Von der Gewinnung der Faser über das Färben bis zur Konfektionierung werden die Unterschiede zwischen Weben und Wirken und die vielen Schritte von der Faser bis zum fertigen Kleidungsstück gezeigt. Automatisierte Musterwebsysteme, vergessene Berufe und faszinierende Exponate fügen sich zu einem Bild zusammen, das sich sonst den Augen der Besucher:innen entzieht.

Widersprüchlich und wandelbar

Im zweiten Aufzug öffnen sich 15 Wunderkammern, die wohldurchdachte Sammelsurien an Materialien, Bekleidungstextilien, Modellen, Klein- und Kleinstexponaten beinhalten. Jeder textilen Eigenschaft ist ein Schaukasten gewidmet, in der historische Objekte aus den vielfältigen Sammlungen des TMW innovativen Textilien gegenübergestellt werden. Auf einer interaktiven Sitzgelegenheit kann diesen Eigenschaften auch mit dem eigenen Körper nachgespürt werden, während der Blick auf die detailreichen Zusammenstellungen in den Vitrinen gelenkt wird. Dort begegnen sich Frauenfez und Sulmtaler Trachtenhut, Zylinder und Sturmhaube. Besucher:innen erfahren, wie Hosen Kettensägen zum Stoppen bringen und welche verborgenen Fäden dabei eine Rolle spielen oder aus welchen Materialien schusssichere Westen bestehen.

Eine Frage der Nachhaltigkeit

Der letzte Teil der Ausstellung zeigt die Auswirkungen der textilen Überproduktion auf den Menschen und die Umwelt, Wege der Vermeidung und Alternativen auf. Eine Medienstation führt vor Augen, wie unterschiedlich die Bezahlung der Menschen ist, die innerhalb der textilen Kette arbeiten: Sechs Videos begleiten die Arbeitenden filmisch so lange, wie sie benötigen, um einen Euro zu verdienen – von den Baumwollpflücker:innen bis zum Mangement eines Textilkonzerns. Die Menschen hinter der Fast Fashion geben so den Fehlkäufen, ungetragenen und achtlos entsorgten Textilien ein Gesicht. Dahinter stehen gigantische Umweltschäden, die im globalen Süden zuerst sichtbar und durch die klimatischen Auswirkungen auch nirgendwo sonst zu leugnen sind. Neben den Fakten und Zahlen rund um die Textilindustrie überraschen die vielfältigen Möglichkeiten, mit textilem Abfall umzugehen: von der Leasing-Jeans über das gemeinsame Weben eines Fleckerl-Teppichs bis zur Hyperspektralkamera. Der Fülle an Textilien wird das Vermeiden, Reparieren, Recyceln gegenübergestellt – und lässt Raum, über das eigene Konsumverhalten zu reflektieren, bevor sich der Vorhang senkt.

Nach dem Ende der Laufzeit erhält die Sonderausstellung ein zweites und drittes Leben in anderen europäischen Technikmuseen: Im Rahmen einer internationalen Kooperation, die seit dem Jahr 2021 zwischen dem Technischen Museum Wien, dem Parque de las Ciencias in Granada und der DASA Arbeitswelt Ausstellung in Dortmund besteht, wird sie in den kommenden Jahren auch in den anderen beiden Institutionen zu sehen sein.

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