Vitiligo ist in der Gesellschaft angekommen

In Österreich leben rund 100.000 Menschen mit Vitiligo. Auf dunklerer bzw. sonnengebräunter Haut sind die weißen Flecken besonders deutlich sichtbar. Daher empfinden viele Betroffene die Erkrankung im Sommer als belastender, da die Kontraste zunehmen, während zugleich mehr Hautpartien sichtbar sind. Obwohl Vitiligo heute in vielen Fällen gut behandelbar ist, sind die psychischen Belastungen häufig größer als die körperlichen Auswirkungen. Die Krankheit wird von den Betroffenen unterschiedlich wahrgenommen – von Blicken und unerwünschter Aufmerksamkeit, Ausgrenzung, bis hin zur Belästigung, aber auch Schwierigkeiten, das eigene Selbstbild zu akzeptieren. Besonders Kinder und Jugendliche leiden stark unter ihrem Aussehen und sind häufig vom Ausschluss aus der (Schul)-Gemeinschaft betroffen.
Aufmerksamkeit für Krankheit gestiegen
„Eine Auswertung der Google-Suchanfragen hat gezeigt, dass die Aufmerksamkeit für Vitiligo in Österreich von 2024 auf 2025 um rund 50 Prozent gestiegen ist. Im Frühjahr dieses Jahres hat Sängerin und ESC-Star Kaleen (bürgerlicher Name: Marie-Sophie Kreissl) öffentlich über ihre Vitiligo gesprochen und ist der Vitiligo Hilfe Österreich beigetreten. „Niemand mit Vitiligo soll sich schämen müssen. Und niemand soll Angst haben, um Hilfe zu bitten: Die Vitiligo Hilfe Österreich ist genau dazu da, Betroffene zusammenzubringen und sich auszutauschen.“ Außerdem war der Film ‚Michael‘ über den Werdegang von Michael Jackson, ebenfalls ein Prominenter mit Vitiligo, in den Kinos. Vitiligo gewinnt an gesellschaftlicher Wahrnehmung“, sagt Oberärztin Dr. Tamara Arnoldner, Hautärztin an der Universitätsklinik für Dermatologie, AKH Wien, und bei JUVENIS. Neben dem Wissen über die Erkrankung sei entscheidend, Menschen mit Vitiligo besser zu verstehen.
Subtilere Ausgrenzung
Manche Patient:innen berichten, dass ihr Umfeld nicht wirklich begreift, wie es ist, eine sichtbare Hauterkrankung zu haben. Die Ausgrenzung bei Erwachsenen ist meist subtiler, aber sie erleben zum Beispiel Nachteile bei der Partnersuche oder im Berufsleben. Im Rahmen einer Schweizer Studie gaben 55 Prozent der Befragten an, dass sie sich mindestens einmal in der Gegenwart einer Person mit sichtbarer Hauterkrankung unwohl gefühlt haben. Denn auch die Vorurteile, Vitiligo sei ansteckend oder sei Folge von unzureichender Hygiene, halten sich nach wie vor. Dr. Arnoldner ermutigt Betroffene, sich Unterstützung zu holen: „Ich rate: Gehen Sie zur Hautärztin bzw. zum Hautarzt. Eine Behandlung, die zur Repigmentierung führt, kann auch das Selbstbewusstsein stärken. Um die Gesellschaft zu verändern, müssen wir weiterhin aufklären. Der Welt-Vitiligo-Tag bietet den nächsten Anlass dafür. Am 25. Juni findet jedes Jahr der Welt-Vitiligo-Tag statt, um auf die Weißfleckenkrankheit aufmerksam zu machen – am Todestag von Michael Jackson, der selbst an dieser erkrankt war.


