Wie Ältere Extremwetterereignisse erleben

Ältere Menschen in Österreich nehmen eine Zunahme von Extremwetterereignissen seit ihrer Kindheit wahr. Doch wie stark diese Veränderungen bemerkt werden, hängt von mehreren sozialen und wirtschaftlichen Faktoren ab. So zeigt eine aktuelle Studie der KL Krems, dass Umweltbewusstsein, Wohnort, Bildungsniveau und finanzielle Situation die Wahrnehmung von Extremwetter bei Menschen ab 50 Jahren mitprägen.
Hohe Bedeutung für Klimaforschung
In der Studie wurde die Wahrnehmung von Veränderungen in der Häufigkeit und Intensität von Hitze, Dürre, Stürmen, Niederschlägen und Überschwemmungen sowie Veränderungen der Schneebedeckung untersucht. Basierend auf österreichischen Daten einer europaweiten Umfrage zeigt sich, dass Menschen den Klimawandel nicht nur anhand messbarer Wetteränderungen erleben, sondern ihn auch durch ihre Lebensumstände und persönlichen Erfahrungen einordnen.
Ältere Menschen sind aus mehreren Gründen auch für die Klimaforschung von Bedeutung. Einerseits sind sie besonders anfällig für Hitze, Überschwemmungen, Stürme und andere klimabedingte Gefahren, andererseits verfügen sie über ein langjähriges Gedächtnis hinsichtlich des Wechsels der Jahreszeiten und der lokalen Umwelt. Dennoch sind sie nicht nur passive „Opfer”: Da ihr Anteil an der Gesellschaft wächst, gewinnen ihre Wohnbedürfnisse, ihre Mobilität, ihr Konsum und ihr Alltagsverhalten zunehmend an Bedeutung für die Klimapolitik. Gleichzeitig können ihr Wissen, Erfahrung und ihr soziales Kapital die Anpassung an den Klimawandel unterstützen. Eine gemeinsame Studie der KL Krems und der Hochschule für Angewandte Wissenschaften St. Pölten untersuchte daher, wie ältere Menschen Extremwetterereignisse erleben und welche sozialen Einflüsse dabei eine Rolle spielen.
„Ältere Menschen erleben den Klimawandel nicht in einem sozialen Vakuum“, sagt Jasmin Riederer vom Kompetenzzentrum für Gerontologie und Gesundheitsforschung an der KL Krems. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Wahrnehmung von Extremwetterereignissen stark von Umweltbewusstsein, Lebensumfeld und sozioökonomischen Faktoren geprägt ist. Dieses Wissen ist entscheidend, damit Klimakommunikation und Anpassungsmaßnahmen unterschiedliche Bevölkerungsgruppen wirksam erreichen können.“
Sinkende Schneemengen als häufigste Wahrnehmung
Die Analyse basiert auf österreichischen Daten aus der Umfrage zu Gesundheit, Altern und Ruhestand in Europa (SHARE). Die Antworten von 3.170 Personen ab 50 Jahren wurden mithilfe von Regressionsmodellen analysiert, um zu untersuchen, welche sozialen Faktoren mit einer stärkeren Wahrnehmung von Extremwetter in Verbindung stehen. Die meisten Befragten berichteten, seit ihrer Kindheit eine Zunahme der Häufigkeit oder Intensität verschiedener Wetterphänomene beobachtet zu haben, insbesondere von Hitzetagen, Dürren, Stürmen und Durchschnittstemperaturen. Das auffälligste Ergebnis betraf den Schnee: 91,1 Prozent berichteten von einem Rückgang der durchgehenden Schneedecke, wobei 61 Prozent einen erheblichen Rückgang wahrnahmen. Doch dieses breite Bewusstsein war nur ein Teil des Gesamtbildes. Den stärksten Zusammenhang zeigte das Umweltbewusstsein, wobei im Rahmen der Studie nicht festgestellt wurde, ob das Bewusstsein die Wahrnehmung prägt oder – umgekehrt – ob wahrgenommene Veränderungen das Bewusstsein stärken.
Auch der Wohnort machte einen Unterschied. So nahmen ältere Menschen, die in Großstädten lebten, stärkere Zunahmen von Extremwetter wahr als diejenigen, die in mittleren Städten, Kleinstädten oder ländlichen Gebieten lebten. Eine mögliche Erklärung ist, dass sich bestimmte Klimaeffekte – insbesondere Hitze – in dicht bebauten Städten unmittelbarer bemerkbar machen. Bewohner ländlicher Gebiete interpretieren Wetterschwankungen möglicherweise häufiger als Teil langfristiger saisonaler Schwankungen.
Auch Bildung und finanzielle Situation beeinflussten die Ergebnisse: Befragte mit höherem Bildungsniveau nahmen stärkere Zunahmen von Wetterextremen wahr als jene mit niedrigerem Bildungsniveau. Erhebliche finanzielle Schwierigkeiten gingen ebenfalls mit einer stärkeren Wahrnehmung von Wetterextremen einher, während moderate finanzielle Herausforderungen keinen signifikanten Unterschied zur Wahrnehmung von Personen in gesicherten finanziellen Verhältnissen zeigten.


