https://www.diversityguide.at/2520
  • Diversity Management
  • Good Practice
  • People
  • Service
  • Balance
  • Diversity Voices
Diversity Balance

Dicke Menschen: Was sagt die Medizin?

Allgemeinmedizinerin Dr. Daniela Themmer, Juvenis Medical Center Wien, im Gespräch über die medizinische Seite von Mehrgewichtigkeit, über Diäten, Vorsorge und Gewichtsstigmatisierung.
Text: Marion Breiter O’Donovan
© Pexels/Polina Tankilevitch

Ab wann spricht man von Adipositas? In welchen Fällen wird Übergewicht medizinisch bedenklich?

Adipositas ist eine medizinische Diagnose und bezeichnet eine chronische Krankheit mit einem BodyMassindex von über 30. Man mißt das Körpergewicht und dividiert es durch die Körpergröße zum Quadrat. Als solche sollte diese Krankheit ernst genommen werden. Die Gefahr besteht in der Entwicklung eines metabolischen Syndroms, bestehend aus Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Arteriosklerose und konsekutiven Organschäden.

Welche Rolle spielen genetische, hormonelle und soziale Faktoren bei dicken Menschen im Vergleich zu Ernährung und Bewegung?

Die Genetik spielt natürlich eine Rolle. Man kann heute dazu gute Messdaten erheben. Beispielsweise das Lipoprotein(a) im Blutserum – ist dieses erhöht, so ergibt sich ein anderer Zielwert bei einer Cholesterin-Unterfraktion, dem LDL. Hormonelle Faktoren können auch das Gewicht beeinflussen – man denke nur an die Schilddrüse oder die hormonelle Umstellung in der Menopause. Auch sozialen Faktoren kommt eine Bedeutung zu. So gibt es Studien, die belegen, dass Menschen mit niedrigerem sozialen Status oder Migrationshintergrund häufiger zu Übergewicht neigen. Das gilt auch und vor allem bei Kindern und Jugendlichen.

Gesunde Ernährung und Bewegung sind die Grundsäulen der Gesundheit und spielen in allen oben genannten Risikogruppen eine tragende Rolle. Oft ist dieses Wissen aber nicht leicht umzusetzen. Zum Glück gibt es in Österreich einige Initiativen, um hier helfend und vor allem rechtzeitig einzugreifen.

Wie können Betroffene gegensteuern, warum ist es oft so schwierig abzunehmen?

Abnehmen im Alleingang ist nicht leicht, weil uns der ,innere Schweinehund’ im Nacken sitzt. Sich dabei Hilfe zu holen, ist empfehlenswert und bedeutet stark zu sein und das nötige Problembewusstsein zu haben. Gemeinsam mit dem/der betreuenden Arzt/Ärztin sollte eine Strategie zum gesunden Abnehmen erarbeitet werden. Hilfreich ist dabei natürlich ein Coaching von Ernährungsmediziner:innen oder -Therapeut:innen.

Wie sehen Sie das Thema Diäten? Sollen dicke Menschen Diäten machen und wie finden sie die für sie passende?

Ich mag den Begriff Diäten nicht. Als Ernährungsmedizinerin rate ich zu einer Ernährungsumstellung. Was ist der Unterschied? Eine Diät ist immer einseitig, was bedeutet, dass dem Organismus etwas Essentielles fehlt. Wir brauchen täglich Proteine, Fette und Kohlenhydrate, weil wir einem andauernden Zellverfall und – Wiederaufbau unterliegen. Proteine bilden den Zellkern und Lipide (Fette) die Hülle der Zellen. Das Gehirn braucht Zucker, sonst fehlt ihm der Treibstoff zum Denken, also sollten wir auch die Kohlenhydrate nicht weglassen,

Aber wie immer im Leben: Die Dosis macht das Gift! Daher muss ein Ernährungsplan natürlich ausbalanciert sein. Am Ende einer jeden Diät gibt es einen Rebound Effekt – der Körper holt sich zurück, was er vermisst hat und letztendlich hat man dann meist mehr Kilos im Gepäck als anfangs.

Welche medizinische Unterstützung beim Abnehmen ist aus Ihrer Sicht sinnvoll?

Das hängt vom Einzelfall ab und davon, was der/die Patient:in will. Nicht jeder kann einem exakten Ernährungsplan folgen, das erfordert viel Disziplin. Was ich allen rate, ist eine jährliche Gesundenuntersuchung, bei der das Thema Gewicht angesprochen wird – das würde ich mir von beiden Seiten wünschen – Arzt/Ärztin wie Patient:in. Bei der Besprechung der Befunde (im Blutbild kann man wichtige Hinweise auf den IST-Zustand der Organe ersehen) werden gemeinsam die Möglichkeiten des Abnehmens besprochen,

Sollte eine Ernährungsberatung empfohien werden, so werden Größe, Gewicht, Körperfettmessung mittels Bioimpedanzanalyse (BIA), die Messung von Körperumfängen als Ausgangswerte erhoben. Diese werden dann beim Follow-up regelmässig kontrolliert.

Im Wesentlichen ist das Thema Abnehmen eine Milchmädchen-Rechnung : Was ich dem Körper an Kalorien zuführe, muss ich wieder verbrennen. Aber unser Lebensstil umfasst weit weniger Bewegung und körperliche Arbeit als das früher der Fall war. Man muss also mit jedem/jeder Patient:in individuell besprechen, welche die für ihn/sie realistisch machbaren Strategien und damit die richtigen sind.

In manchen Fällen wird man sich für eine medikamentöse Therapie entscheiden. Hier sind die GLP-1 Analoga zu nennen (Ozempic, Wegovy, Mounjaro etc.). Mit dieser Merdikamentengruppe kann man bei Patienten, die sich in einer diabetischen Stoffwechsellage befinden, die Entwicklung zu einer manifesten Zuckerkrankheit abwenden.

Wie wichtig sind aus Ihrer Sicht interdisziplinäre Ansätze (Psychologie, Ernährungsberatung, Bewegungstherapie)?

Ernährungsberatung ist der erste Schritt bei Adipositas, Bewegungsberatung der zweite. Das sind die beiden Grundsäulen der Therapie – schon in der Prävention. Sollte sich im ärztlichen Gespräch eine psychologische Komponente als Grund für das Übergewicht herausstellen, ist eine Intervention durch psychologische Betreuung auf jeden Fall sinnvoll.

Dicke Menschen erleben vielfach Gewichtsstigmatisierung. Wie wirkt sich diese Stigmatisierung im medizinischen Bereich bzw. konkret auf Diagnosen, Behandlungen und die Gesundheit der Betroffenen aus?

Vorsorge bedeutet Krankheitsvermeidung und schliesst Adipositas mit ein. Ich kann die Wichtigkeit einer jährlichen Gesundenuntersuchung gar nicht genug unterstreichen.

Es sollte selbstverständlich keine Stigmatisierung der Fettleibigkeit geben – nirgendwo und bei Ärzt:innen schon gar nicht. Patient:innen kommen ja auch mit jeder anderen Krankheit zum Arzt, damit ihnen geholfen wird. Respektvoller Umgang mit dieser Thematik sollte eine Selbstverständlichkeit sein.

 

Was ist „Schönheit“? 

Schönheit hat beim Juvenis Medical Center Wien mehrere Säulen:

  • Äußere Schönheit – diese wird erlebbar durch einen makellosen Teint, weniger Falten, einen ausgewogen geformten Körper und Haarfülle.
  • Gesundheit und Vorsorge – medizinische Betreuung am Puls der Zeit und Vorsorgemedizin legen die Grundlage für ein gesundes Leben und Altern sowie für nachhaltige Schönheit.
  • Ausstrahlung und Haltung – auch diese tragen zu unserer Schönheit wesentlich bei. Durch eine bessere Körperhaltung und -wahrnehmung sowie durch unser inneres Gleichgewicht gehen wir selbstbewusster durchs Leben.

 

 

Mehr zum Thema Diversity Balance
© Beko Austria AG

Neue Kühl-Gefrier-Generation setzt auf Nachhaltigkeit

elektrabregenz präsentierte eine neue Kühl-Gefrier-Generation mit moderner Lichttechnologie, die Antioxidantien bis zu 7 Tage lang frisch hält. Die VitalCare-Technologie denkt Lebensmittelkühlung weiter: als Zusammenspiel aus Licht, Zeit und Lagerbedingungen.
© Pexels/Kampus Production

Sonnenschutz: ein Muss für alle

Gerade im Sommer ist konsequenter Sonnenschutz kein Lifestyle-Thema, sondern eine Frage der Gesundheit – und zwar für alle: unabhängig von Alter, Hauttyp oder ethnischem Hintergrund. Dr. Anna-Maria Kiprov, Privatklinik Kiprov, erklärt, warum.
zwei frauen
© Kampus Production / pexels

„GenderHeart“: Sterberisiko bei Frauen senken

Es ist tatsächlich so: Frauenherzen sind anders als jene von Männern. Auch die Symptome für einen Herzinfarkt sind oft „untypisch“ und Frauen haben nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall ein höheres Sterberisiko. An einer Verbesserung der Prognosen tüfteln Forschende des Fraunhofer-Institutes.
  • Über uns
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Mediadaten
Hier geht es zur aktuellen Ausgabe