Psychische Gesundheit in Chancenbonusschulen verbessern

Anhand objektiver Kriterien wurden 400 heimische Chancenbonusschulen ausgewählt. Im Rahmen des Chancenbonus-Programms werden bis zu 800 Vollzeitäquivalente zur Verfügung gestellt, wobei diese Schulen autonom zwischen Lehrer:innen, Schulpsycholog:innen, Schulsozialarbeiter:innen und Sozialpädagog:innen auswählen können. Die Anzahl der Planstellen je Schule ist von der Schulart und der Zahl der Schüler:innen abhängig.
Psychische Gesundheit immer wichtiger
Der Österreichische Bundesverband für Psychotherapie (ÖBVP) begrüßt die Initiative und sieht darin einen wichtigen Schritt, um psychische Gesundheit zu stärken, Belastungen frühzeitig wahrzunehmen und Chancengerechtigkeit im Bildungssystem zu fördern. „Der Schulbeginn ist für viele Kinder und Jugendliche mit Vorfreude und Neugier verbunden – für manche aber auch mit Unsicherheit, Ängsten oder Überforderung. Psychische Gesundheit ist eine wesentliche Voraussetzung für Lernen, Bildungserfolg, soziale Teilhabe und eine gute Entwicklung. Dass mit den Schulpsychotherapeut:innen nun erstmals psychotherapeutische Kompetenz direkt im Lebensraum Schule verankert wird, ist deshalb ein wichtiger und richtiger Schritt“, betont ÖBV-Präsidentin Barbara Haid.
Niederschwelliges Angebot für Bedürftige
Psychische Belastungen werden im schulischen Alltag häufig früh sichtbar – etwa durch Leistungsdruck, Schulangst, soziale Konflikte, Rückzug oder Schwierigkeiten im Umgang mit Veränderungen. Gleichzeitig sind Schulen zunehmend mit komplexen sozialen, familiären und gesellschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. „Schulpsychotherapeut:innen ermöglichen einen barrierefreien Zugang zu professioneller Unterstützung. Zu Schulbeginn wird deutlich, wie unterschiedlich Kinder, aber auch Jugendliche, mit neuen Herausforderungen zurechtkommen. Gemeinsam mit den Lehrerpersonen und Eltern sorgen die anwesenden Schulpsychotherapeut:innen dafür, dass ab Schulbeginn die Chancen von Kindern, die sich ein bisschen schwerer tun, gewahrt bleiben“, erklärt Herta Wimberger-Spörker, stellvertretende Vorsitzende des Oberösterreichischen Landesverbands für Psychotherapie (OÖLP).
Größter Bedarf in Wien
Zwei Drittel der neuen Schulpsychotherapeut:innen wurden von Volks- und Mittelschulen in Wien angefordert, weil die Schulen hier vor großen psychosozialen Herausforderungen stehen. Ab dem neuen Schuljahr begleiten 45 Schulpsychotherapeut:innen die Kinder und Jugendlichen im Schulalltag. Für den ÖBVP ist der Chancenbonus auch gesundheitspolitisch ein wichtiges Signal: Bildungschancen hängen nicht nur von Unterricht und schulischen Rahmenbedingungen ab. Kinder und Jugendliche brauchen auch psychische Stabilität, tragfähige Beziehungen und Unterstützung in belastenden Lebenssituationen. Frühzeitige, gut erreichbare Angebote können dazu beitragen, dass Schwierigkeiten nicht chronisch werden und Kinder ihre Entwicklungs- und Bildungschancen besser wahrnehmen können.
„Die große Nachfrage der Schulen zeigt, wie dringend solche Angebote gebraucht werden. Die Psychotherapie ist bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihre Kompetenz dort einzubringen, wo Kinder und Jugendliche sie brauchen. Die 71 Schulpsychotherapeut:innen sind ein wichtiger Anfang. Unser Ziel muss sein, psychische Gesundheit dauerhaft und selbstverständlich im Lebensraum Schule mitzudenken – und dieses zukunftsweisende Angebot Schritt für Schritt weiterzuentwickeln und auszubauen“, so Barbara Haid und Herta Wimberger abschließend.


