Frauen: Höhere Bildung aber fehlende Gleichstellung

Das vom Wissenschaftsfonds FWF geförderte „HypoFam“-Projekt entstand aus einer Kooperation der Universität Wien mit der Johannes Keppler Universität Linz (JKU) und endete im Juli 2026. Es untersuchte, ob und wie sich ein höhere Bildungniveau der Frau auf Familienleben, Gleichberechtugung und Berufssituation auswirkt. Erforscht wurde u.a. was höhere Bildung für den typischen Knick im Einkommen („child penalty“) bedeutet. Dabei geht es um die Frage, ob Frauen fürs Kinderkriegen finanziell bestraft werden.
„Der Hauptfokus des vierjährigen Forschungsprojekts lag auf der sozioökonomischen Entwicklung von Paaren. Hier haben wir mit österreichischen Registerdaten gearbeitet, dabei mit dem Zeitpunkt der Geburt des ersten Kindes begonnen und uns die Einkommensverläufe fünf Jahre davor und 20 Jahre danach angesehen“, erklärt Nadia Steiber, Soziologin und Professorin für die Analyse von Sozialstrukturen und Quantitative Methoden an der Universität Wien.
20 Prozent Einkommensverlust
Die durchschnittliche Penalty liegt bei rund 20 Prozent – also der Anteil der Frau zum Haushaltseinkommen sinkt von knapp 50 Prozent vor der Geburt des ersten Kindes auf unter 30 Prozent, wenn das Kind zehn Jahre alt ist. Der Verlust ist bei Frauen mit Hochschulabschluss und einem Partner mit Matura oder Lehrabschluss liegt demnach immer noch bei zehn Prozent. „Es ist das gewohnte Muster: Frauen gehen nach der Geburt oft in Teilzeit und können den Einkommensnachteil später kaum mehr aufholen“, so Steiber. Bei einem zweiten Kind erhöhe sich die durchschnittliche Penalty um weitere 12 Prozentpunkte. „Hypogame Frauen – Frauen mit einem höheren Bildungs- und Berufsstand als Männer – werden mit höherer Wahrscheinlichkeit ein zweites Mal Mutter als Frauen in Beziehungen, in denen der Mann die höhere Bildung hat“, zitiert Steiber aus der Untersuchung.
Ernüchternde Bilanz
Ein weiterer Faktor für die anhaltend ungleiche Einkommenssituation von Frauen ist der Arbeitsmarkt selbst. Männer, die nach dem Lehrabschluss zu arbeiten beginnen, würden häufig schnell mehr verdienen als ihre Frauen mit Matura. „Insgesamt sehen wir, dass der nachweisliche Bildungsvorsprung der Frauen weder zu einer finanziellen Gleich- oder Besserstellung auf dem Arbeitsmarkt noch zu mehr Vollerwerb bei Frauen mit Kindern führt“, zeigt sich Steiber enttäuscht. „Auf Konferenzen kommt immer die Frage, ob es denn gar keinen Silberstreif gibt. Darum haben wir uns das Ganze auch noch generationenübergreifend angesehen“, erzählt Steiber. Es zeigte sich, dass vor allem Töchter davon profitieren, wenn die Mutter einen höheren Abschluss hat als der Vater. Sie schließen mit höherer Wahrscheinlichkeit ein Studium ab.
Über das Forschungs-Projekt
Das Projekt „HypoFam: „Die Konsequenzen zunehmender Hypogamie für Familien“ erforschte mithilfe großer Datensätze aus Österreich und Europa, ob und wie sich eine höhere Bildung der Frau auf das Familienleben auswirkt. Untersucht wurden unter anderem Einkommensverhältnisse, die Arbeitsteilung im Haushalt, die Bildung und spätere Partnerwahl der Kinder.

