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Diversity Management
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Fachkräftemangel in Österreich größtes Unternehmensrisiko

62 der befragten Unternehmen zählen den Fachkräftemangel zu den größten Gefahren für das eigene Unternehmen, fast ein Drittel hält ihn sogar für sehr gefährlich. Das ergab eine Studie der Prüfungs- und Beratungsorganisation EY, für die im August und September 2025 über 500 Verantwortliche von KMU befragt wurden.
Text: Michael Strausz
Menschen im Büro vor einem Laptop
© pexels_Ivan Samkov
Fachkräfte werden verzweifelt gesucht

Teilzeit-Boom und fehlende Qualifikation als Urheber

Bei der Hälfte der befragten Unternehmen sind derzeit Stellen unbesetzt. Besonders hoch ist der Anteil der Unternehmen mit Vakanzen aktuell bei Finanz- und anderen Dienstleistern (54 %), gefolgt vom Bereich Soziales, Wissenschaft, Bildung (53 %). 41 Prozent der befragten mittelständischen Unternehmen geben an, infolge des Fachkräftemangels Umsatzeinbußen zu verzeichnen bzw. nicht alle Umsatzpotenziale realisieren zu können – 14 Prozent davon sogar erheblich, doppelt so viele wie im Vorjahr. Als wichtigsten Grund für den Fachkräftemangel machen die Betriebe die mangelnde Bereitschaft unter Bewerber:innen bzw. Arbeitskräften aus, in Vollzeit zu arbeiten: (46 %, Vorjahr: 61 %). Zweitwichtigster Grund ist eine unzureichende Ausbildung und Qualifikation der Bewerber:innen (37 %). “

Der allseits belächelte Obstkorb reicht schon längst nicht mehr, um die Mitarbeiter:innen an Bord zu holen. Darum setzt der Mittelstand hierzulande auf die Intensivierung der Aus- und Weiterbildung des bestehenden Personals, die Flexibilisierung von Arbeitszeiten und das Angebot von attraktiven Zusatzleistungen und Benefits“ weiß Erich Lehner, Partner und Mittelstandsexperte bei EY Österreich

Such- und Rekrutierungskosten stark gestiegen

Vier von zehn der befragten mittelständischen Unternehmen geben an, infolge des Fachkräftemangels Umsatzeinbußen zu verzeichnen bzw. nicht alle Umsatzpotenziale realisieren zu können – 14 Prozent davon sogar erheblich. Besonders betroffen sind Finanz- und andere Dienstleister (43 %) und der Bereich Transport/Verkehr/Energie (42 %). Gestiegene Such- und Rekrutierungskosten machen dem heimischen Mittelstand zu schaffen: Bei 45 Prozent der Unternehmen sind in den vergangenen fünf Jahren diese Kosten gestiegen, bei nur vier Prozent sind sie gesunken. Im Durchschnitt gab es einen Kostenzuwachs um rund neun Prozent – vor allem im Tourismus. „Auch wenn der Anteil der Unternehmen, die zusätzliche Beschäftigte einstellen wollen, deutlich größer ist als der Anteil derer, die Stellenstreichungen beabsichtigen, soll die Zahl der Mitarbeitenden unterm Strich nur geringfügig – um 0,4 Prozent – steigen“, fasst Lehner zusammen.

KI im Einzelfall als Chance gegen Fachkräftemangel

Die große Mehrheit der befragten Mittelständler (70 %) sieht keine Möglichkeiten, Künstliche Intelligenz (KI) im eigenen Unternehmen so einzusetzen, dass es die Auswirkungen des Fachkräftemangels abmildert. Immerhin jedes zehnte Unternehmen setzt KI hierfür allerdings bereits ein und weitere 20 Prozent halten den Einsatz von KI in diesem Bereich für wirksam, auch wenn sie selbst hierfür aktuell noch keine KI einsetzen. Am weitesten verbreitet ist der Einsatz von KI zum Zwecke der Abmilderung des Fachkräftemangels bei Finanz- und anderen Dienstleistern (22 %), gefolgt vom Tourismus (18 %).

3 Fragen an Erich Lehner

Wie können die Unternehmen ihre Attraktivität steigern, abgesehen von einer adäquaten Bezahlung?

Entscheidend sind Führung, Entwicklungsmöglichkeiten und Planbarkeit. Mitarbeitende bleiben dort, wo sie Perspektiven sehen, wo Arbeitszeiten verlässlich sind und wo ihre Arbeit wertgeschätzt wird. Auch flexible Modelle und eine gute Arbeitsorganisation gewinnen immer mehr an Bedeutung.

Könnten Menschen mit Behinderung den Fachkräftemangel mildern? Wenn ja, wie sollen Unternehmen bei der Rekrutierung vorgehen?

Ja, Menschen mit Behinderung können einen wichtigen Beitrag leisten, wenn Unternehmen das Thema strukturiert angehen. Viele Tätigkeiten lassen sich gut anpassen oder neu zuschneiden, wenn man Aufgaben und Anforderungen bewusst analysiert. Entscheidend sind barrierefreie Bewerbungsprozesse, ein gutes Onboarding und Führungskräfte, die Sicherheit im Umgang mit Vielfalt haben. Unterstützend wirken dabei spezialisierte Netzwerke und Plattformen wie myAbility, die Unternehmen dabei helfen, inklusives Recruiting professionell aufzusetzen und vorhandene Potenziale sichtbar zu machen.

Was ist die Rot-Weiß-Rot-Karte für volljährige Lehrlinge?

Das ist kein bestehendes Instrument, sondern ein im Regierungsprogramm angekündigtes Pilotprojekt. Ziel ist es zu prüfen, ob volljährige Lehrlinge aus Drittstaaten künftig über klar geregelte Wege eine Lehre in Österreich absolvieren und anschließend im Arbeitsmarkt bleiben können.

 

EY im Überblick

EY ist eine der führenden Prüfungs- und Beratungsorganisationen in Österreich. Das Unternehmen beschäftigt mehr als 1.500 Mitarbeiter:innen an fünf Standorten und erzielte im Geschäftsjahr 2024/2025 einen Umsatz von 255 Millionen Euro. Gemeinsam mit den insgesamt über 400.000 Mitarbeiter:innen der internationalen EY-Organisation betreut EY Kund:innen überall auf der Welt.

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