Demokratie ohne Frauen ist keine Demokratie

„Kürzungen in der aktiven Arbeitsmarktpolitik sind direkte bis indirekte Einsparungen in der Demokratie. Das können wir uns nicht leisten. Nicht aus sozialer und wirtschaftlicher Perspektive, und nicht als demokratische Gesellschaft“, sagt Sabine Rehbichler stellvertretend für arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich, Dachverband Frauen- und Mädchenberatung, ABZ*AUSTRIA, sprungbrett, Organisationen, die diese Realität aus dem Alltag ihrer Arbeit kennen. Nur noch jede dritte Frau glaubt, dass das politische System gut funktioniert – unter den Betroffenen im unteren Einkommensdrittel sind es 19 unter Arbeitslosen 21 Prozent.
Fehlende Wertschätzung
Die Ursache dafür liegt unter anderem in folgenden Faktoren: Frauen in systemrelevanten Berufen sowie im unteren Einkommensdrittel fühlen sich für ihre geleistete Arbeit seltener wertgeschätzt. Gemeinsam mit jungen Frauen berichten sie zudem davon, von der Politik weniger gut vertreten zu werden. Zwei zentrale Versprechen der Demokratie – Gleichwertigkeit und Mitsprache – bleiben damit für sie unerfüllt. Die Folge: Viele von ihnen ziehen sich aus der demokratischen Beteiligung zurück. Nur noch jede vierte Frau (26%) im unteren Einkommensdrittel ist davon überzeugt, mit politischer Beteiligung auch etwas bewirken zu können. „Es ist wie ein Teufelskreis“, beschreibt Sophie Hansal vom Dachverband Frauen- und Mädchenberatung das Problem: „Alltagsbarrieren im Beruf, ungleich verteilte Care-Arbeit und fehlende Netzwerke verstärken sich gegenseitig: Wer nicht gesehen wird, zieht sich zurück. Weniger Repräsentation führt zu weniger Teilhabe, weniger Teilhabe zu noch weniger Einfluss.“ Die Zahlen des Demokratiemonitors bestätigen das: 61 Prozent der systemrelevanten Berufe sind weiblich, doch nur 42 Prozent fühlen sich gesellschaftlich wertgeschätzt. Noch dazu leisten Frauen täglich 4,3 Stunden unbezahlte Arbeit, Männer nur 2,5.
Doch Hansal sieht auch Lösungsansätze: „Wir müssen Strukturen stärken, die Mädchen und Frauen Handlungsmacht zurückgeben und ihre Teilhabe aktiv fördern. Genau das leisten etwa Beratungsstellen – sie sind ein zentraler Hebel, um diesen Kreislauf zu durchbrechen.“ Besonders jetzt, wo Demokratien weltweit unter Druck stehen, sei das eine gemeinsame Aufgabe.
Arbeitslosigkeit ist zunehmend weiblich
„Arbeitslosigkeit hat zunehmend ein weibliches Gesicht“, sagt Rehbichler von arbeit plus. Seit Oktober 2024 steigt die Frauenarbeitslosigkeit deutlich stärker als jene der Männer. 144.775 Frauen sind derzeit arbeitslos, besonders hart trifft es Frauen ab 50, deren Arbeitslosigkeit im Jahresvergleich um 9,2 Prozent gestiegen ist. Österreichweit gelten 101.976 Menschen als langzeitbeschäftigungslos arbeitslos, um 13,9 Prozent mehr als im Vorjahr, knapp ein Drittel aller arbeitslosen Frauen sind davon betroffen. Viele weitere verschwinden gänzlich aus der Statistik, weil die Vereinbarkeit von Erwerbsarbeit und Care schlicht nicht möglich ist.
„Die Verfestigung der Langzeitbeschäftigungslosigkeit hat gravierende Folgen: sinkende Vermittelbarkeit, gesundheitliche Belastungen, soziale Isolation und steigende Armutsrisiken. Wir stehen vor der realen Gefahr einer Verfestigung der Sockelarbeitslosigkeit auf hohem Niveau“, warnt Rehbichler. Und wie der Demokratiemonitor zeigt: Frauen, die in dieser Situation leben, verlieren das Vertrauen in die Politik und ziehen sich aus der demokratischen Teilhabe zurück.
„Politische Teilhabe hat mit Ressourcen zu tun“
Besonders deutlich zeigt sich dieser Rückzug bei jungen Frauen. 72 Prozent der jungen Frauen in Österreich fühlen sich im Parlament „wenig“ bis „gar nicht“ vertreten. „Politische Teilhabe hat mit Ressourcen zu tun“, sagt Martina Fürpass von sprungbrett. Junge Frauen, die dort Unterstützung suchen, kommen aus sozial benachteiligten Familien, häufig mit Migrationsgeschichte, sind von Armut oder Wohnungslosigkeit betroffen, müssen im Gegensatz zu ihren Brüdern früh Care-Arbeit leisten, kämpfen mit psychischen Belastungen und Gewalterfahrungen. Denn wie sich aus dem Demokratiemonitor ableiten lässt, haben Budgetentscheidungen Auswirkungen, die weit über den Arbeitsmarkt hinausreichen: Eine Demokratie, die bei jenen Programmen spart, die Frauen wirtschaftliche Unabhängigkeit, gesellschaftliche Wertschätzung und Teilhabe ermöglichen, riskiert letztlich ihre eigene Substanz. Eine Demokratie ohne Frauen ist keine Demokratie. Das können wir uns nicht leisten. Nicht als demokratische Gesellschaft – davon zeigen sich arbeit plus – Soziale Unternehmen Österreich, Dachverband Frauen- und Mädchenberatung, ABZ*AUSTRIA und sprungbrett abschließend überzeugt.
Insights Demokratiemonitor 2025 zum Download: https://arbeitplus.at/


