Diversität und Start-ups: eine befruchtende Kombination

In welchen Bereichen zeigt sich Österreichs Start-up-Szene als Vorreiterin?
Ein Bereich, in dem Österreich floriert und auch früh eine Vorreiterrolle eingenommen hat, ist jener der nachhaltigen und sozialen Innovation. Bereits vor mehr als zehn Jahren wurde hier einer der ersten großen Impact Hubs gegründet, mit dem Ziel, Innovationen im sozialen und nachhaltigen Bereich zu skalieren.
Eines unserer größten und erfolgreichsten Start-ups – beziehungsweise mittlerweile Scale-ups – ist Refurbed, die Plattform für refurbished Electronics. Dort hat vieles begonnen. Inzwischen ist das Unternehmen in vielen Bereichen aktiv und zählt zu den größten Anbietern für Produkte, die ein zweites Leben erhalten. Gleichzeitig entstehen in diesem Feld zahlreiche neue Unternehmen, die derzeit noch in den Kinderschuhen stecken.
Welche Chancen eröffnet das Gründen einzelnen – und wem insbesondere? Wie sehen Sie das Thema Diversität und Start-ups?
Ich glaube, es ist vor allem eine große Chance für Menschen, die sagen: Ich möchte gestalten und die Probleme, die ich sehe, selbst angehen. Für sie ist jetzt ein sehr guter Zeitpunkt. Gerade für Frauen eröffnen sich viele Möglichkeiten. Sowohl die Gesellschaft als auch die Start-up-Szene wünschen sich mehr weibliche Führung. Ich bin seit mittlerweile acht Jahren in diesem Bereich tätig, und bei jedem Event, das ich mitorganisiere, suchen wir gezielt großartige Frauen, die wir auf Bühnen holen oder in Podcasts einladen können. Wir möchten ihnen bewusst Sichtbarkeit geben.
Gibt es „typische“ Gründer? Skizzieren Sie sie bitte für uns?
Wenn man sich die Zahlen ansieht – wir veröffentlichen jedes Jahr eine Studie, den Austrian Start-up Monitor – dann zeigt sich ein klares Bild: Der durchschnittliche Gründer in Österreich hat einen akademischen Abschluss, ist etwa 36 Jahre alt und männlich. Gleichzeitig sehen wir aber auch, dass die Szene sehr vielfältig ist. Rund ein Viertel aller Gründer hat einen Migrationshintergrund.
Was sind wesentliche Erfolgsfaktoren für Gründer:innen, was sollten sie an persönlichen Eigenschaften mitbringen?
Wichtig ist vor allem, sich beim Gründen ein Problem auszusuchen, von dem man wirklich überzeugt ist, dass es gelöst werden muss. Die ursprüngliche Idee verändert sich fast immer. Man startet mit einem Ansatz, baut einen ersten Prototypen, testet und entwickelt die Lösung weiter. Dann kommt man oft in das sogenannte „Valley of Death“: Anfangs wirkt alles einfach, doch je mehr man lernt, desto schwieriger erscheint es. In dieser Phase helfen Überzeugung, ein gutes Umfeld und idealerweise Co-Founder, die einen motivieren und sich im Gründungsteam gegenseitig mit unterschiedlichen Fähigkeiten ergänzen.
Entscheidend für den Erfolg sind daher vor allem Durchhaltevermögen und der Glaube daran, dass die Idee einen Impact hat und ein Problem löst. Wichtig ist auch die Freude am Experimentieren – also Dinge auszuprobieren, Rückschläge zu akzeptieren und weiterzumachen. Gleichzeitig gibt es in Österreich Unterstützung, die den Start erleichtert, etwa das Gründungsstipendium der Wirtschaftsagentur Wien oder das Unternehmensgründungsprogramm, bei denen man für mehrere Monate ein Einkommen erhält, um eine Geschäftsidee auszuarbeiten.
Inwiefern sind Start-ups wichtig für die Weiterentwicklung unserer Gesellschaft?
Man sollte sich immer wieder vor Augen führen, dass Start-ups innovative Lösungen entwickeln. Diese greifen neue Problemstellungen unserer Zeit auf und können diese schnell vervielfachen, also skalieren. Dadurch entwickeln sie sich in kurzer Zeit zu sogenannten Scale-Ups oder großen Unternehmen. Indem sie auf unseren Werten basieren, schaffen wir europäische Antworten auf Fragen unserer Zeit – und das ist wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas abzusichern.
Zur Person
Hannah Wundsam ist Geschäftsführerin von AustrianStartups, Österreichs größter Community für Startups und Think Tank für Entrepreneurship. In dieser Rolle setzt sie sich für bessere Rahmenbedingungen, mehr Innovationskraft und eine starke Gründer:innenkultur in Österreich und Europa ein.
Sie ist Vorstandsmitglied des European Startup Network und Mitglied des Investment Committee von WU Ignite Ventures. Zuvor gründete sie selbst ein Startup und initiierte Bildungsprogramme, die tausende junge Menschen für unternehmerisches Denken und Handeln begeistern.



