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Diversity Good-Practice

Faire Schokolade: Tony’s Chocolonely für eine gerechtere Kakaoindustrie

Tony’s Chocolonely setzt sich ein für Schokolade ohne bitteren Beigeschmack: fair, transparent und ohne Ausbeutung.
Text: Juliette Breiter O’Donovan
© Tony's Chocolonely
Anne Mantel, Commercial Director bei Tony’s Chocolonely

Das niederländische Impact-Unternehmen macht sich seit 2005 dafür stark, Kinderarbeit und strukturelle Ungleichheiten im Kakaoanbau zu beenden und stellt dabei die gesamte Lieferkette und Schokoladenindustrie auf den Prüfstand.

Für die DACH-Region verantwortet Anne Mantel als Commercial Director das Wachstum der Marke und die Verankerung ihrer Mission im Markt. Der Fokus liegt auf nachhaltiger Wertschöpfung und fairen Lieferketten. Wie dieser Ansatz konkret funktioniert und welchen Beitrag Unternehmen für eine gerechtere Kakaoindustrie leisten können, erklärt sie im folgenden Interview.

Wie stellt Tony’s Chocolonely sicher, dass entlang der gesamten Lieferkette faire Arbeitsbedingungen eingehalten werden?

Faire Arbeitsbedingungen sind für uns kein Zusatz, sondern die Grundlage unseres Geschäftsmodells. Wir arbeiten nach fünf klar definierten Beschaffungsprinzipien, die für unseren gesamten Kakao gelten: vollständige Rückverfolgbarkeit bis zur Farm, die Zahlung höherer Preise mit dem Ziel eines existenzsichernden Einkommens, langfristige Partnerschaften mit Kooperativen, der gezielte Aufbau starker Farmerstrukturen und Investitionen in Qualität sowie Produktivität. Entscheidend ist dabei, dass wir diese Prinzipien immer gemeinsam anwenden und nicht selektiv. Nur so können wir Verantwortung übernehmen und systemische Probleme wirklich angehen.

Welche konkreten Maßnahmen werden bei TC gegen Kinderarbeit im Kakaoanbau umgesetzt?

Kinderarbeit ist eine Folge von Armut und deshalb ein strukturelles Problem. Unser Ansatz ist klar: Wir wollen Kinderarbeit sichtbar machen, statt sie zu verdrängen. Dafür setzen wir ein umfassendes Child Labor Monitoring and Remediation System ein. Geschulte lokale Mitarbeitende besuchen regelmäßig alle Farmerhaushalte, sprechen offen mit Familien und dokumentieren die Situation der Kinder. Wird Kinderarbeit festgestellt, greifen sofort konkrete Maßnahmen: etwa der Zugang zu Bildung, Schulmaterialien, offizielle Dokumente oder in komplexeren Fällen Ausbildungs‑ und Einkommensalternativen für die Familien. Besonders wichtig: Wir arbeiten langfristig in denselben Gemeinden, weil unsere Erfahrung zeigt, dass Kinderarbeitsraten dort, wo wir über mehrere Jahre aktiv sind, deutlich sinken.

Wie transparent ist TC’s Lieferkette für Konsument:innen und Partnerunternehmen einsehbar?

Transparenz ist für uns der Schlüssel zu Verantwortung. Deshalb ist unser Kakao zu 100 Prozent rückverfolgbar, bis hin auf die Ebene einzelner Farmen. Alle Farmen sind GPS‑kartiert, und wir führen regelmäßig Risikoanalysen zu Entwaldung und sozialen Themen durch. Unsere Fortschritte und Herausforderungen legen wir jährlich offen, lassen unsere Daten extern prüfen und veröffentlichen detaillierte Kennzahlen in unserem Annual FAIR Report. Transparenz bedeutet für uns auch, ehrlich über das zu sprechen, was noch nicht perfekt läuft.

Inwiefern profitieren lokale Communities?

Zum einen natürlich durch höhere und stabilere Kakaopreise. Darüber hinaus investieren wir jedes Jahr ein Prozent unseres Nettoumsatzes über die unabhängige Chocolonely Foundation direkt in die Kakaoanbauregionen. Diese Mittel fließen unter anderem in Bildungs‑ und Gesundheitsprojekte, in den Zugang zu sauberem Wasser, in Frauenförderung und in Einkommensdiversifizierung, etwa durch neue Einnahmequellen neben Kakao. Unser Ziel ist es, Gemeinschaften langfristig zu stärken und nicht bloß kurzfristig zu kompensieren.

Welche Initiativen setzt TC ein, um strukturelle Ungleichheiten in der Kakaoindustrie zu reduzieren?

Die Kakaoindustrie ist durch jahrzehntelange Machtungleichgewichte geprägt. Millionen Farmer:innen tragen das wirtschaftliche Risiko, während sie selbst kaum davon profitieren. Wir versuchen, dieses Ungleichgewicht aufzubrechen: durch langfristige Verträge, faire Preise, starke Kooperativen und echte Partnerschaften auf Augenhöhe. Ein besonderer Fokus liegt dabei auf Geschlechtergerechtigkeit. Wir analysieren Einkommen geschlechterspezifisch und entwickeln gezielte Programme, um Frauen innerhalb der Kooperativen wirtschaftlich zu stärken.

Wie wird der soziale Impact der Programme gemessen?

Wir arbeiten mit klaren, messbaren Kennzahlen, etwa zu Einkommen, Kinderarbeit, Rückverfolgbarkeit und Kooperativenstärke. Diese KPIs werden jährlich überprüft, veröffentlicht und extern geprüft. Zusätzlich führen wir eine sogenannte Double‑Materiality‑Analyse durch, um sicherzustellen, dass wir uns auf die Themen konzentrieren, die sowohl gesellschaftlich als auch unternehmerisch den größten Einfluss haben. Wirkung messen heißt für uns auch, aus Daten zu lernen und unsere Ansätze kontinuierlich zu verbessern.

Welche Schritte unternimmt TC, um seine Produktion klimafreundlicher zu gestalten?

Ohne einen funktionierenden Planeten gibt es auch keine gerechte Kakaoindustrie. Deshalb stammt nahezu unser gesamter Kakao aus entwaldungsfreien Lieferketten. Zusätzlich investieren wir in Agroforstsysteme, Bodenfruchtbarkeit und klimaresiliente Landwirtschaft. Wir haben uns wissenschaftsbasierte Klimaziele gesetzt und verschieben unseren Fokus zunehmend von reiner CO₂‑Kompensation hin zu realen Emissionsreduktionen innerhalb unserer eigenen Wertschöpfungskette.

In welchen Bereichen sehen Sie Ihr Unternehmen besonders innovativ – auch über das Produkt Schokolade hinaus?

Innovation bei Tony’s bedeutet: neue Wege gehen, um alte Probleme zu lösen. Unsere Lieferkette ist nicht nur transparent, sondern offen für andere. Unsere Kommunikation ist mutig und unkonventionell. Und unsere Produktentwicklung orientiert sich konsequent an gesellschaftlichen Bedürfnissen, von veganen Optionen bis hin zu neuen Größenformaten, die fairen Konsum für verschiedene Preiskategorien zugänglich machen.

Gibt es konkrete Nachhaltigkeitsziele, die TC in den nächsten Jahren erreichen möchten?

Bis 2030 wollen wir deutlich mehr Kakaofamilien dabei unterstützen, ein existenzsicherndes Einkommen zu erreichen, unsere Lieferkette weiter skalieren und dabei entwaldungsfrei halten. Langfristig verfolgen wir die Vision, dass Kakaoanbau ein fairer, zukunftsfähiger und klimaresilienter Beruf ist – frei von Kinderarbeit und Ausbeutung. Dabei ist uns wichtig zu betonen: Wir wollen nicht alleine erfolgreich sein. Unser Modell soll zeigen, dass ein anderes Wirtschaften möglich ist – und von der gesamten Branche übernommen werden kann.

Was möchten Sie Konsument:innen sagen, die sich mit fairem Handel noch nicht intensiv beschäftigt haben? Warum sollte ihnen das Thema Ausbeutung im Kakaoanbau nicht egal sein?

Weil hinter jeder günstigen Tafel Schokolade ein Preis steckt, den andere zahlen -mit ihrer Kindheit, ihrer Freiheit, ihrer Zukunft. Wer sich für fairen Handel entscheidet, trägt dazu bei, dass Kinder zur Schule gehen können, Familien ein existenzsicherndes Einkommen verdienen und Ausbeutung nicht länger Teil unseres Konsums ist. Es geht nicht um Perfektion, sondern um bewusste Entscheidungen – und die machen einen Unterschied.

 

 

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