Jobaussichten auf neuem Tiefststand

Der Arbeitsmarkt-Kompass des Online Recherche Instituts Marketagent und Leitbetriebe Austria über das 1. Quartal 2026 zeigt eine Zuspitzung der Entwicklungen der vergangenen Monate und zugleich einen bemerkenswerten neuen Höchstwert: Die wahrgenommenen Chancen am Arbeitsmarkt trüben sich weiter ein, die Gehaltserwartungen bei einem Jobwechsel bleiben gedämpft. „Wir sehen aktuell eine zunehmende Nüchternheit am Arbeitsmarkt. Die Menschen schätzen ihre Chancen weniger optimistisch ein und rücken gleichzeitig ihre Erwartungen näher an die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen heran“, analysiert Thomas Schwabl, Gründer und Geschäftsführer von Marketagent.
Hohe Jobwechsel- und Leistungsbereitschaft
Obwohl nur noch 44 Prozent der heimischen Beschäftigten angeben, dass es aktuell leicht ist, einen neuen Job zu bekommen und die Gehaltserwartungen gedämpft sind – die erwartete Gehaltserhöhung bei einem Jobwechsel liegt aktuell im Schnitt bei 22 Prozent verglichen mit Q3 2023 mit 29 Prozent – erreicht die Wechselbereitschaft mit 38 Prozent einen neuen Höchstwert seit Beginn der Erhebung Mitte 2023. Damit setzt sich der Aufwärtstrend bei diesem Indikator fort und erreicht einen neuen Höchstwert. Besonders ausgeprägt ist die Wechselbereitschaft bei der Generation Z, wo jede zweite Person eine berufliche Veränderung in Betracht zieht.
Die Ergebnisse unterstreichen zudem eine weiterhin hohe Leistungsbereitschaft: Überstunden werden von der großen Mehrheit akzeptiert, sofern sie fair abgegolten werden (84%). Gleichzeitig bleibt der Wunsch nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance bestehen. Der bevorzugte Arbeitsalltag zeigt sich stabil: Die ideale Wochenarbeitszeit liegt im Schnitt bei rund 33 Stunden, der gewünschte Home-Office-Anteil bei etwa 40 Prozent. Auch bei der Mobilität bleiben die Erwartungen konstant: Die maximal akzeptierte Pendeldistanz liegt bei durchschnittlich 23 Kilometern.
Jobzufriedenheit bleibt stabil hoch
Die zwei wichtigsten Kriterien bei der Jobsuche sind faires Gehalt (59%) und gutes Arbeitsklima (52%). Überstunden werden akzeptiert, sollen aber fair abgegolten werden (84%). Trotz der eingetrübten Aussichten bleibt die Gesamtzufriedenheit mit dem eigenen Job hoch: 82 Prozent der Beschäftigten sind aktuell (sehr) zufrieden. Für Monica Rintersbacher, Geschäftsführerin von Leitbetriebe Austria, ergibt sich daraus ein klarer Appell: „Der Arbeitsmarkt steht aktuell in einem Spannungsfeld: Einerseits steigt die Unsicherheit, andererseits bleibt die Zufriedenheit hoch und die Wechselbereitschaft nimmt zu. Für Unternehmen bedeutet das, dass attraktive Rahmenbedingungen allein nicht ausreichen. Sie müssen ernst gemeint, authentisch und fair gelebt werden, um Talente nicht nur zu gewinnen, sondern auch langfristig zu halten.“


