Neurodivergenz: WienIT mit Pilotprojekt

Neurodiversität beschreibt unterschiedliche Arten der Wahrnehmung, Informationsverarbeitung und Arbeitsorganisation. Dazu gehören beispielsweise Menschen mit ADHS, im Autismus-Spektrum oder mit Legasthenie. Reizüberlastung, häufige Kontextwechsel oder implizite Erwartungen, wie sie in einem komplexen, wissensintensiven Arbeitsumfeld vorkommen, können für diese Personen sehr belastend wirken.
Bei WienIT wurde deshalb ein Projekt zu „Neuroinklusiven Arbeitswelten“ gestartet. „Ziel ist es, die Arbeitsfähigkeit neurodiverser Mitarbeitender durch den Abbau kognitiver Barrieren im Arbeitsalltag zu stärken“, erklärt Sonja Prodinger, als ESG-Specialist bei WienIT unter anderem zuständig für Barrierefreiheit: „Arbeits- und Kommunikationsbedingungen sollen so gestaltet werden, dass unterschiedliche neurodiverse Bedürfnisse berücksichtigt und Belastungen reduziert werden.“
Entlastung passiert oft sehr spät
Prodinger ist überzeugt, dass Neurodiversität nur dort ihr volles Potenzial entfalten kann, wo Strukturen, Führung und Zusammenarbeit in Teams passend gestaltet sind. In vielen Betrieben passiert eine Entlastung sehr spät und erst dann, wenn sich die Mitarbeiterin
bzw. der Mitarbeiter erklärt oder an Grenzen stößt. Oft entstehen dann Einzellösungen, von denen andere Betroffene wenig profitieren. „Deshalb verschieben wir den Fokus von Einzellösungen auf strukturell verankerte, entlastende Rahmenbedingungen“, erklärt Prodinger.
Es geht darum, kognitive Barrieren für alle Betroffenen abzubauen. Um das zu erreichen, wurden vier Ebenen identifiziert, in denen nun konkrete Maßnahmen umgesetzt werden. Auf der individuellen Ebene soll die Arbeitsfähigkeit durch Orientierung, Reiz- und Strukturentlastung gesichert werden. Auf Teamebene geht es um den Abbau von Missverständnissen und Konflikten, was durch Wissen über Neurodiversität erreicht werden soll.
Neurodiverse Arbeits- und Denkweisen mitdenken
Ein zentraler Hebel ist die Führungsebene. Prodinger: „Führungskräfte
prägen Erwartungen, Prioritäten und Kommunikationsstile. Wenn neurodiverse Arbeits- und Denkweisen nicht mitgedacht werden, können – oft unbeabsichtigt – unrealistische Erwartungen entstehen.“
Last but not least soll bereits beim Recruiting angesetzt werden, wo von Anfang an ein barriereärmerer Zugang geschaffen werden soll. Die konkrete Umsetzung erfolgt – je nach Handlungsebene – mittels Coachings und individueller Unterstützung sowie direkt am physischen Arbeitsplatz wie etwa durch konkrete Anpassungen bei der Arbeitsumgebung. Dazu kommen Workshops und Coachings auf Führungs- und Teamebene.
Am Ende soll ein konkreter Leitfaden mit einer Dokumentation der erprobten Ansätze erstellt werden. Sonja Prodinger erklärt: „Unser Grundsatz bei WienIT, der auch für dieses Projekt gilt, bleibt immer gleich: Wir passen Strukturen an – nicht Menschen.“
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Facts & figures
WienIT ist der zentrale IT & Business Partner der Wiener Stadtwerke-Gruppe. Rund 1.000 Mitarbeiter:innen beraten, entwickeln und betreiben konzernweit die IT-Infrastruktur im Hintergrund für die Wiener Linien, Wiener Lokalbahnen, Wiener Netze, Wien Energie, Bestattung Wien, Friedhöfe Wien, immOH!, GSWG und WIPARK. Die Leistungen von WienIT reichen von IT-Services, über technische Personalprozesse, Media Planung bis hin zu Print-Jobs. WienIT wurde 2003 gegründet und ist ein 100%iges Tochterunternehmen der Wiener Stadtwerke GmbH.



