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Diversity Good-Practice

Mehr Sichtbarkeit für Frauen mit Behinderungen

Die Interessensvertretung "Frauen* mit Behinderungen“ (FmB) ist auf Erfolgskurs. Eine Evaluierung bescheinigt „innerhalb kurzer Zeit beachtliche Erfolge“. Doch es zeigte sich, dass nach wie vor in feministischen Gruppen und Frauenberatungsstellen Frauen mit Behinderungen oft nicht mitgedacht werden.
Text: Helene Fiegl
frau im rollstuhl im büro beim arbeiten
© pexels_marcus aurelius
Die Interessensvertretung "Frauen mit Behinderungen*" wird in Gremien immer präsenter. Die Community wächst stetig und die Mitglieder schätzen Vernetzungsaktivitäten und Empowerment.

Der UN-Fachausschuss für die Rechte von Menschen mit Behinderungen kritisiert bereits 2023, dass Frauen mit Behinderungen in Österreichs Behinderten- und Frauenpolitik zu kurz kommen. Eine unabhängige Evaluierung, die FmB in Auftrag gegeben hat, bestätigt dies. Der Verein FmB setzt sich für die Rechte von Frauen mit Behinderungen ein. Ziel ist ein gleichberechtigtes, sicheres und selbstbestimmtes Leben. FmB wurde im März 2023 in Wien gegründet und ist die einzige derartige unabhängige Interessensvertretung in Österreich.

Unsichtbar: Frauen mit Behinderungen

Frauen mit Behinderungen sind oft weniger sichtbar – und deshalb rutschen sie mit ihren Interessen häufiger durch den Rost. Behindertenvertretungen sind nach wie vor stark männlich dominiert, in feministischen Räumen werden Frauen mit Behinderungen oft nicht selbstverständlich mitgedacht. Mit FmB wurde – laut der Analyse von L&R Sozialforschung – „eine bis dato offene Lücke geschlossen“ und ist in dieser Form in Österreich bislang einzigartig.

Die Bewertung der Arbeit von FmB umfasst den Zeitraum Jänner 2025 bis Februar 2026. Die Ergebnisse bescheinigen “beachtliche Erfolge“ beim Aufbau einer österreichweiten Interessensvertretung. Zugleich wird die Warnung in den Raum gestellt: Ohne langfristige Finanzierung „besteht die Gefahr, dass erreichte Netzwerke und politische Beteiligungsmöglichkeiten nicht dauerhaft aufrechterhalten werden können“.

Steigende Mitgliederzahlen

„Die Evaluierung zeigt, was möglich ist, wenn Frauen* mit Behinderungen selbst gestalten: Wir sitzen heute an Tischen, an denen wir vorher gefehlt haben, und unsere Community wächst stetig. Diese Arbeit darf mit Ende 2027 nicht aufhören“, betont Julia Moser, Co-Vorsitzende FmB.

Ohne gesetzliche Verankerung musste sich FmB den Platz an Entscheidungstischen erst erarbeiten, heißt es weiter. Offenbar erfolgreich: Frauen mit Behinderungen sind heute in politischen Strategien und Arbeitsgruppen „deutlich sichtbarer vertreten“. Einer der größten Erfolge: Gemeinsam mit anderen Organisationen im Bereich Behinderung wurden Maßnahmen für Frauen mit Behinderungen im Nationalen Aktionsplan gegen Gewalt an Frauen und Mädchen verankert. Daraus entstand das Projekt „Türen Öffnen – Besserer Zugang zu Gewaltschutz für Frauen mit Behinderungen“ von Ninlil und FmB.

Vorstand und Büroteam bestehen ausschließlich aus Frauen mit Behinderungen. Die Zahl der Mitglieder stieg seit Februar 2026 von 143 auf aktuell rund 270. Die Community ist breit aufgestellt: Die Mitglieder sind zwischen 21 und 88 Jahre alt und kommen aus allen neun Bundesländern. Diese stark community-orientierte Arbeit sehen die L&R-Autorinnen der Evaluierung als wichtige Grundlage des Erfolgs, 83 % der befragten Mitglieder sind „sehr zufrieden“. Künftig will FmB noch gezielter Frauen mit Lernschwierigkeiten, gehörlose Frauen, Frauen mit Migrationsgeschichte und junge Frauen einbinden – das empfiehlt auch die Evaluierung. Mehr Einfache Sprache, ÖGS und Workshops außerhalb von Wien sind u.a. die weiteren Schritte.

Finanzierung absichern

Möglich ist diese Arbeit, weil das Team hauptamtlich arbeitet – finanziert durch den Innovationsfonds Licht ins Dunkel, befristet bis Ende 2027. Ehrenamtlich ist politische Interessensvertretung in diesem Umfang laut Evaluierung nicht leistbar. Die Autorinnen empfehlen, die Finanzierung langfristig abzusichern und die Beteiligung von Frauen* mit Behinderungen an politischen Prozessen strukturell zu verankern.

„Österreich hat sich mit der UN-Behindertenrechtskonvention verpflichtet, Frauen* mit Behinderungen gezielt zu stärken und ihre Organisationen einzubinden. Dafür braucht es mehr als Projektmittel. Jetzt geht es darum, gemeinsam mit der Politik unsere unabhängige Interessensvertretung langfristig abzusichern“, sagt Heidemarie Egger, Co-Vorsitzende von FmB.

 

Die Evaluierung in Kürze (Quelle FmB)

  • 135 Vernetzungsaktivitäten in 14 Monaten – rund 291 Arbeitsstunden
  • 33 Veranstaltungen mit 816 Teilnehmenden, davon 16 nur mit Frauen* mit Behinderungen
  • 24 Medienbeiträge im Jahr 2025, u. a. auf ORF Wien, W24 und in den Salzburger Nachrichten
  • 143 → 232 Mitglieder zwischen Februar 2026 und Fertigstellung des Berichts
  • 92 % der Vollmitglieder sind Frauen* mit Behinderungen
  • 83 % der befragten Mitglieder sind „sehr zufrieden“ – niemand ist unzufrieden

 

Alle Ergebnisse: bitte hier klicken

Über FmB: bitte hier klicken

 

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