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Diversity Good-Practice
BehinderungInklusion

„Inklusion Österreich“ gibt Eltern und Selbsthilfegruppen gemeinsame Stimme

Die neue Dachorganisation, "Inklusion Österreich" bündelt Österreichs Initiativen für Menschen mit Behinderung. Entstanden ist der neue Verein aufgrund eines persönlichen Engagements von Karin Riebenbauer, Mutter eines Buben mit Behinderung.
Text: Michael Strausz
© Marcel Koehler
Karin Riebenbauer will auf öffentliche Förderungen verzichten

Rund zehn Jahre setzt sich Karin Riebenbauer bereits dafür ein, dass ihr Sohn dieselben Rechte hat wie andere Kinder. Er kam nach einer Toxoplasmose-Infektion während der Schwangerschaft mit Entwicklungsverzögerung und Epilepsie zur Welt – seither kämpft seine Mutter für sein Recht auf Schule, auf Teilhabe, auf ein selbstbestimmtes Leben.

Jahrelang war es ein oft auf wenige Mitstreiter:innen gestützter Kampf, geführt über Petitionen, Klagen und unzählige Lobbyingtermine. Seit Jänner 2025 ist das anders: Gemeinsam mit Angie Weikmann, ebenfalls Mutter eines Kindes mit Behinderung und lanjährige Bildungsaktivistin, und der Inklusionsforscherin Irene Moser hat Riebenbauer den Verein „Inklusion Österreich“ gegründet – eine Dachorganisation, die die zahlreichen Eltern- und Selbsthilfeinitiativen des Landes zu einer gemeinsamen, schlagkräftigen Stimme bündeln soll. „In ganz Österreich setzen sich einzelne Initiativen für dieselben Ziele ein, oft ohne voneinander zu wissen. Wir wollen dieses Wissen und diese Kraft bündeln, damit alle davon profitieren können“, sagt Karin Riebenbauer.

Prominente Mitstreiter der ersten Stunde

Obwohl der Verein erst wenige Monate alt ist, hat er sich bereits als Ansprechpartner:in etabliert: Inklusion Österreich ist Teil der Arbeitsgruppe im Bildungsministerium zum neuen Inklusionspaket, bringt sich im Bündnis „Chancenreich“ und der Initiative „Meine Würde“ ein, war bei einer parlamentarischen Enquete der NEOS vertreten und organisiert eigene Aktionstage Bildung. Vernetzt ist der Verein zudem mit der Arbeiterkammer, der Diakonie, der Caritas, der Lebenshilfe Österreich und dem Österreichischen Behindertenrat, mit dem gemeinsame Arbeitskreise bestehen. „Diese schnelle Vernetzung zeigt, wie groß der Bedarf an einer gemeinsamen Stimme für Angehörige mit Kindern mit Behinderung in Österreich ist“, so Riebenbauer.

Selbstbestimmung, Gleichberechtigung und Partizipation

Ziel ist es, österreichweit alle Elterninitiativen zu bündeln und ihr Wissen zu sammeln: Über den Bundesländerbeirat sollen gemeinsame Forderungen erarbeitet und Informationen geteilt werden, damit die Stimme des Vereins gegenüber der Politik an Gewicht gewinnt. Bewusst verzichtet der Verein dabei auf Förderungen der öffentlichen Hand und finanziert sich stattdessen über Mitgliedsbeiträge und private Spenden. „Nur wenn wir finanziell unabhängig sind, können wir auch weiterhin ehrlich sagen, was wir denken“, erklärt Karin Riebenbauer diesen Schritt.

Diese Haltung spiegelt sich auch im Leitbild des Vereins wider: Selbstbestimmung, Gleichberechtigung, Barrierefreiheit und Partizipation zählen zu den Grundwerten, die Inklusion Österreich in seiner Arbeit verfolgt – getragen von der Überzeugung, dass Menschen mit Behinderung nicht nur Zielgruppe, sondern aktive Mitgestalter:innen der eigenen Anliegen sein sollen. Nach dem Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“ sollen alle Entscheidungen im Verein getroffen werden. Langfristig will der Verein an einer Änderung der gesetzlichen Rahmenbedingungen mitwirken, die Inklusion in Österreich derzeit systematisch erschweren – notfalls auch auf dem Klageweg.

Ziele für die kommenden Jahre

Inklusion Österreich verfolgt drei zentrale Ziele: eine finanzielle Basis zu schaffen, die langfristiges Engagement sichert; eine österreichweite Plattform für betroffene Familien aufzubauen, damit ihre Erfahrungen nicht verloren gehen; und mediale Aufklärungsarbeit zu leisten, um auch Menschen ohne persönlichen Bezug zum Thema die wissenschaftlich belegte Bedeutung von Inklusion näherzubringen. Inhaltlich orientiert sich der Verein dabei an einem Zehn-Punkte-Programm, das von gleichberechtigter Teilhabe in Bildung, Arbeit, Wohnen und Freizeit über den Abbau physischer, digitaler und gesellschaftlicher Barrieren bis hin zu inklusiver Bildung von Anfang an und fairen Chancen am Arbeitsmarkt reicht. Auch die Entlastung von Familien und Angehörigen sowie eine konstruktive, aber bestimmte Zusammenarbeit mit Politik und Institutionen zählen zu den festgeschriebenen Anliegen des Vereins.

Gemeinsam stärker – machen Sie mit!

Um diese Ziele zu erreichen, wendet sich der Verein nun verstärkt an eine breite Öffentlichkeit. Inklusion Österreich ruft Einzelpersonen, Familien, Initiativen und Vereine dazu auf, Teil dieser wachsenden Bewegung zu werden, um die Kräfte gemeinsam zu bündeln. „Alles, was wir bisher erreicht haben, haben wir nur gemeinschaftlich erreicht“, sagt Riebenbauer. „Schließen Sie sich unserem Netzwerk an, unterstützen Sie Inklusion Österreich, werden Sie Mitglied!“, so Riebenbauer.

Weitere Informationen unter: http://www.inklusionoesterreich.at/mitglied-werden/

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