Heimisches Schulsystem hinkt bei Inklusion hinterher

Zufällige Schulinklusion
Die Rechte von Kindern und Jugendliche mit Behinderungen werden weiter massiv eingeschränkt. Assistenz ist vielerorts unzureichend, viele erhalten nicht die Unterstützung, die sie benötigen und werden in Sonderschulen abgeschoben. Gleichzeitig sind die Übergänge zwischen Schulstufen besonders schwierig. „Schulinklusion ist in Österreich nicht abgesichert. Sie hängt vom Zufall ab. Für echte Fortschritte braucht es politische Verbindlichkeit, nachhaltige Finanzierung und eine gesellschaftliche Haltung, die Inklusion als Normalität versteht“, meint LHÖ-Generalsekretär Philippe Narval.
Dass es anders geht, zeigt Südtirol, wo bereits vor über 40 Jahren Sonderschulen abgeschafft wurden. Dort steht nicht das „Ob“, sondern das „Wie“ der Unterstützung im Mittelpunkt. Hanna Kamrat, Vizepräsidentin der LHÖ und Selbstvertreterin, betont: „Eine Schule für Alle ist möglich. In Südtirol stellt sich nicht mehr die Frage „Sonderschule oder inklusive Schule?“ – sondern nur noch: “Wie viel Unterstützung braucht der oder die Schülerin um teilhaben zu können?“
Inklusion passiert nicht von allein
Kinder mit Behinderungen, die inklusiv beschult werden, haben nachweislich bessere Chancen – in der Schule, in der Ausbildung und im Berufsleben. Keine einzige Studie belegt, dass Kinder in getrennten Schulsystemen besser gefördert werden. Im Gegenteil: Knapp die Hälfte aller Sonderschulabsolvent:en ist eineinhalb Jahre nach Schulabschluss weder in Ausbildung noch im Arbeitsmarkt. Doch Inklusion gelingt nicht ohne entsprechende Rahmenbedingungen. Wer Inklusion will, muss in sie investieren: in mehr Personal, geeignete Räume und tragfähige Strukturen an unseren bestehenden Schulen – statt Geld in neue Sonderschulen zu stecken. Echte Inklusion entsteht nicht durch Absonderung, sondern durch den Ausbau gemeinsamer Lernorte“,erklärt Brigitte Gottschall, Geschäftsführerin von Jugend am Werk.
Forderungen der Lebenshilfe Österreich
Die LHÖ fordert zum Welttag der Bildung eine konsequente politische Umsetzung von Schulinklusion entsprechend der UN- Behindertenrechtskonvention. Im ersten Schritt müssen die Versprechen im Regierungsprogramm rasch angegangen werden. Dazu gehört insbesondere der Rechtsanspruch auf das 11. und 12. Schuljahr für Kinder mit Behinderungen – vorrangig in Regelschulen – und die Anhebung der Deckelung für sonderpädagogische Förderung von 2,7 Prozent auf 4,5 Prozent.
Über die Lebenshilfe:
Die Lebenshilfe Österreich vertritt seit 1967 die Rechte von Menschen mit intellektuellen Behinderungen. Sie ist der Dachverband der insgesamt acht Lebenshilfe-Landesorganisationen. Die Lebenshilfe begleitet österreichweit rund 19.000 Menschen mit Behinderungen: beim Wohnen, beim Arbeiten, bei der Durchsetzung der eigenen Rechte. An 280 Standorten arbeiten über 7.500 Mitarbeiter:innen.



